Anatomie

Oberes Sprunggelenk

Das obere Sprunggelenk wird von Schienbein und Wadenbein sowie der Gelenkrolle des Sprungbeines gebildet. Die Gelenkkapsel umschließt das Sprunggelenk und wird an den Seiten durch Bänder verstärkt.

Unteres Sprunggelenk

Bei dem unteren Sprunggelenk unterscheidet man zwei voneinander getrennte Gelenkanschnitte: den hinteren Anteil zwischen Sprungbein und Fersenbein und den vorderen Anteil zwischen Sprungbein, Fersenbein und Kahnbein. Im oberen Sprunggelenk werden Scharnierbewegungen ausgeführt (Heben und Senken des Fußes). Im unteren Sprunggelenk werden Kipp- und Drehbewegungen durchgeführt (Heben und Senken des Fußrandes).

Röntgenbild eines rechten Sprunggelenks von der Seite:

Sprunggelenk_Anatomie

1= Schienbein (Tibia)
2 = Sprungbein (Talus)
3 = Aussenknöchel und Wadenbein (Fibula)
4 = Innenknöchel (Anteil vom Schienbein)
5 = Fersenbein

Arthrose

Im Vergleich zum Kniegelenk kommt es im Sprunggelenk seltener zu einer Arthrose. Häufig entsteht die Arthrose in der Folge von Verletzungen (z. B. nach Bandverletzung mit Instabilität oder nach Knochenbrüchen mit Gelenkbeteiligung).

Knorpeltherapie

Knorpel und Knorpeldefekt

Autologe Chondrozyttentransplantation
Große Knorpelschäden im Sprunggelenk sind eine Indikation für die autologe Knorpelzelltransplantation. Dabei wird arthroskopisch eine Knorpelprobe (Stanze) aus dem Sprungbein entnommen. In einem Labor werden dann aus der Knorpelprobe die Knorpelzellen isoliert, in einer Nährlösung kultiviert und vermehrt. Anschließend werden die vermehrten Knorpelzellen in eine Matrix zur Transplantation eingebracht. Dieser Prozess nimmt 3 Wochen in Anspruch. In einer zweiten Operation wird das Sprunggelenk eröffnet, der Knorpelschaden präpariert und die Knorpelzellen mit der Trägermatrix in den Knorpeldefekt transplantiert. Sehr häufig ist bei dieser Operation eine Durchtrennung des Innenknöchels notwendig um den Knorpeldefekt korrekt zu präparieren. Darüber hinaus besteht bei Knorpeldefekten am Sprunggelenk häufig auch ein knöcherner Defekt, so dass bei der Knorpelzelltransplantation ein Knochenaufbau erforderlich ist. Hierzu erfolgt eine Knochenentnahme aus dem Beckenkamm und die Verpflanzung mittels einer Einpresstechnik in den Knochendefekt im Sprungbein.

Die Altersgrenzen liegen bei den derzeitigen Erfahrungen zwischen dem 16. und 50. Lebensjahr.

Ablaufplan der Operationen
Erste OP:
Arthroskopische Knorpelentnahme, 1-2 Tage stationär.
Knorpelzellvermehrung im Labor.
Wartezeit von der ersten bis zur zweiten OP ca. 3 Wochen.
Zweite OP:
Knorpeltransplantation 4-5 Tage stationär.

Sportarten mit hohem Sturzrisiko sind erst nach einem Jahr erlaubt.

Osteochondrosis dissecans (OD)
Die Osteochondrosis dissecans ist eine Erkrankung des Knochens und der Gelenkknorpelschaden entsteht durch die knöchernen Veränderungen. Die Ursachen der Erkrankung sind letztlich noch nicht geklärt. Die Erkrankung verläuft in Stadien (Stadium I-IV).

Stadium I: Ödem im Knochen, Knorpel intakt normale Funktion, Schmerzen
Stadium II: Knochennekrose, Knorpel intakt durch fehlende Unterlage eindrückbar
Stadium III: Knochenfragment ausgelöst aber noch im Lager, kann aber abgehoben werden
Stadium IV: Knochenfragment hat sich aus dem Lager herausgelöst, freier Gelenkkörper

Im Stadium I und II kann bei noch erhaltener Knorpeloberfläche eine konservative Therapie mit Sportkarenz und Entlastung erfolgen. Im Stadium II bei großem Ödem oder im Stadium III bei vorhandener Sklerosezone kann eine Anbohrung zur Druckentlastung und Revitalisierung sinnvoll sein. Die Anbohrung erfolgt üblicherweise während einer Arthroskopie. Im Stadium III und IV mit teil- oder vollständig abgelöstem Knorpelknochenfragment sollte die Refixierung des Fragments erfolgen. In der Regel erfolgt diese über eine Schnittoperation.

Notwendig ist die Anfrischung des Lagers, ggf. auch mit Knochenverpflanzung, und die exakte Einpassung des Knorpelknochenfragments. Sollte eine Refixierung nicht mehr möglich sein, ist eine autologe Chondrozytentransplantation mit Knochenaufbau notwendig.

Freie Gelenkkörper

Kleine Knorpel-Knochenfragmente lösen sich aus der Gelenkfläche heraus und bewegen sich frei im Gelenkraum. Freie Gelenkkörper können durch verschiedene Ursachen entstehen:

- Verletzung mit Knorpel-Knochen-Absprengung
- Endstadium einer Osteochondrosis dissecans
- Arthrose

Die Symptome sind Einklemmungserscheinungen und Schmerzen.

Anterolaterales Impingement

Das Weichteilgewebe oder Knochenanbauten an der Schienbeinvorderkannte im vorderen Bereich des Sprunggelenks verursachen Beschwerden. Die Weichteilveränderungen entstehen nach Verletzungen, nach Operationen oder durch wiederkehrende Überlastung.

Arthrofibrose

Nach einem Kapsel-/Bänderriss des Sprunggelenks können im Gelenk Narben entstehen (lokalisierte Arthrofibrose). Aber auch eine generalisierte Narbenbildung mit einer diffusen entzündlichen Schrumpfung des Gewebes mit Verklebungen und Vernarbungen (generalisierte Arthrofibrose) kann sich entwickeln.

Endoprothese

Endoprothesen am Sprunggelenk

Die Häufigkeit der Sprunggelenksarthrose ist gering, verglichen mit der Häufigkeit von Hüft- und Kniegelenksarthrosen. Am häufigsten treten Arthrosen nach Sprunggelenksfrakturen mit einer Verlaufzeit von ca. 10 Jahren auf. In einem solchen Fall war lange Zeit die einzige Behandlungsmöglichkeit die Versteifungsoperation des Sprunggelenks. Nach einer Versteifung des Sprunggelenkes werden allerdings die angrenzenden Gelenke verstärkt belastet.

Inzwischen hat sich das Prinzip des prothetischen Gelenkersatzes im Sprunggelenksbereich etabliert. Die Implantation einer Sprunggelenksprothese ist indiziert bei einer Sprunggelenksarthrose und noch gut erhaltener Beweglichkeit. Prothesen der neuesten Generation bestehen aus drei unabhängigen Komponenten mit beweglichem Gleitlager und werden zementfrei implantiert. Bei der verwendeten Endoprothese (MOBILITY®) ist die notwendige Knochenresektion minimal.

Nach der Operation ist ein stationärer Aufenthalt für 5 Tagen in unserer Klinik notwendig. Bis zur Wundheilung (10 Tage) erfolgt eine Ruhigstellung des Fußes in einer Gipsschiene. Anschließend werden die Patienten mit einem Spezialstiefel versorgt. Das Gehen an Unterarmgehstützen mit einer Teilbelastung von 20 kg ist für 6 Wochen notwendig.

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